Galerie Meinhold                                                     Ausstellung
                         
Anna Holldorf                                              
"körperfluchten" - Malerei  
Ausstellung: 16.5. - 25.6.2003

Presse 


Berliner Morgenpost        16. Juni 2003

Ausstellung
Sinnlich erfahrbare "Körperfluchten"
Von LISA GROTZ

Sand, Wachs, Zellulose-Leim und Farbe verbinden sich zu einer starken sinnlichen Materialität. Und schon dadurch löst das Motto "Körperfluchten" der Wahlberlinerin Anna Holldorf beim Betrachter Irritationen aus. Holldorfs Werkserie entzieht sich sämtlichen Klischees, die Frauen in die Opferrolle einer patriarchalischen Gesellschaft und deren Modediktat zwängen. Der aus Aschaffenburg gebürtigen Künstlerin geht es vielmehr um die Überwindung eines Leidensdrucks, der den Frauen allein durch die Mutterrolle auf den Leib geschrieben ist: Sie will die Dimensionalität des Körperlichen mittels abstrakter Techniken überwinden. 
  Die Sinnlichkeit dieses Konzepts findet sich auch in den Titeln ihrer Werke wieder. So in "Nebelkleid", einer Collage aus Sand, Wachs und Eitempera auf Papier, einem der großformatigen Ausstellungsstücke (90 x 70 cm), die den Entstehungsprozess intensiver Phasen der Reflexion fühlbar werden lassen. Das Augenmerk des Betrachters geht einher mit dem Wunsch nach Berührung. Es ist Anna Holldorfs Anliegen, die Trennung zwischen Körper und Geist aufzuheben, beide Sphären miteinander in Einklang zu bringen. 
  Die Verarbeitung ihrer Geschichte, so Holldorf, habe immer stattgefunden auf dem Weg der Kunst. Der psychische Rückhalt, den die Malerei ihr bietet, war bei ihr gleichzeitig ein physischer. Ihre Arbeiten sind gekennzeichnet vom Ringen um jene Klarheit, die Anspruch auf Sinneserweiterung erhebt. Deshalb arbeitet die Künstlerin gerne mit Literaten zusammen, mit Dichtern wie Lioba Happel, die auf ihre derzeitige Bilder-Serie mit einem leidenschaftlichen Sprach-Zyklus reagierte. Jedes Gedicht bezieht sich auf ein konkretes Bild. So beschreibt Lioba Happel ein Bild Anna Holldorfs mit dem Titel "sie brach aus dem unbefleckten geheimnis hervor" mit den folgenden Versen: 

   "sprache der gräser 
   ein harter schartiger traum 
   im aufschlag der augen gesehen 
   dass da hinter fernen worten 
   herumgeht wie der jüngste tag 
   eine die sucht eine die sucht" 

So haben sich zwei Frauen gefunden im wechselseitigen Zusammenspiel von Sprache und Bild, was zu einer in der "ars amelia edition" erschienen bibliophilen Broschüre führte. Die Preise von Anna Holldorfs Bildern bewegen sich zwischen 230 und 2300 Euro.

Galerie Meinhold
, Giesebrechtstr. 2, Charlottenburg.
Bis 25. 6.,  Di-Fr 14-19 Uhr, Sa 11-15 Uhr


Anna Holldorf malt abstrakt gegen die Opferrolle der Frau an      Foto: Wegner