Galerie Meinhold & Reucker

Stephan Voigtländer   "Geschöpfe" - Skulptur
Heryun Kim
   Tuschezeichnungen auf Papier
Ausstellung: 5.3. - 20.4.2004

Presse


DIE WELT     Freitag, 2. April 2004  

Rasende Schafe 
bei Meinhold und Reucker

von Gerhard Charles Rump

Wer noch nicht weiß, was ein Hochgeschwindigkeitstier ist, der möge seine Schritte in die Galerie Meinhold und Reucker lenken. Stephan Voigtländer, seines Zeichens Bildhauer, beschäftigt sich damit. Gewöhnlich, sagt man, gehört das Schaf nicht zu den schnellsten Geschöpfen. Voigtländers Schafe aber rasen dahin - und bewegen sich doch nicht von der Stelle. Stattdessen ziehen sie sich, wie ein zusammengefügtes Ensemble von Phasenbildern, in die Länge. 

 

Der Herr Einstein hätte wohl seine helle Freude daran gehabt. Auch andere "Geschöpfe" Voigtländers zeigt die Schau, und immer wieder erliegt man der Faszination der Skulpturen, für die 600 bis 8000 Euro veranschlagt werden.Der Geschwindigkeit ist an einer Wand ein ruhender Pol entgegengesetzt: Zeichnungen von Heryun Kim. Mit Tusche zu Reispapier gebracht und aufgezogen, verströmen sie asiatische, meditative Ruhe. 

Kim pendelt zwischen Seoul (Korea) und Berlin (an der UdK war sie Meisterschülerin von Klaus Fussmann). Sie lenkt den Blick auf die ästhetischen Qualitäten des Fragments oder die reduzierte Umrisslinie, die einen Gegenstand definiert, ihn gleichzeitig aber zu etwas ganz Eigenem macht. Hier erscheint geschaute Form statt eines nur gesehenen Gegenstandes - in stiller Großartigkeit. Man ist versucht, die Ästhetik des Thomas von Aquin anzuwenden. Integritas, consonantia, claritas: Ganzheit auch im Fragment, Zusammenklang aller Teile, Klarheit. Und da "claritas" die "quidditas" ist, das Wesen der Dinge, das hier formuliert wird, klappt es mit der Kunstanschauung des Mittelalters auch hier und heute. Die Zeichnungen von Heryun Kim kosten jeweils 450 Euro.

Galerie Meinhold & Reucker,  Giesebrechtstraße 2, 14163 Berlin
bis 20. April; Di.-Fr. 14-19, Sa. 11-15 Uhr.